Integrative Arbeits- und Ausbildungsplätze bewusst eine Marke auf dem Areal

...denn Teilhabe hat in Reutlingen eine starke Tradition mit dem Schaffen Gustav Werners und der BruderhausDiakonie.

 

Die eigenen Stärken offensiver ins Bewusstsein rücken

(These 24 "Reutlingen, Quo Vadis?! 95 Thesen zur Stadtentwicklungen Reutlingen 2020")


Teilhabe ist fester Bestandteil des Nutzungskonzepts:

 

Der Vorläufer der heutigen Werkstätten für behinderte Menschen wurde vor über 150 Jahren in Reutlingen ins Leben gerufen. Mit dem zukünftigen Nutzungskonzept der Planie 22 wird unmittelbar an diese starke Tradition angeknüpft. 


Systematisch sollen Menschen mit Handicaps in den Einrichtungen (SelfStorage, Nahversorgung, Café und Gästehaus) Ausbildungs- und Arbeitsplätze bekommen können. 

 

 

Kleiner historischer Exkurs


Gustav Werner war einer der ersten, der bereits in der Frühphase der Industrialisierung erkannte, dass man Armut nur vorbeugen kann, wenn alle Gesellschaftsmitglieder an einer praxisorientierten, umfassenden Berufsbildung teilhaben können. Armen und körperlich oder geistig benachteiligten Kindern bot er ein neues Zuhause und ermöglichte ihnen, einen Beruf zu erlernen.


Ursprünglich war der junge Gustav Werner 1834 als Vikar nach Waldorf bei Reutlingen gekommen. Aber die Armut lehrte ihn ein überaus praktisches Christentum. Das ging so weit, dass er in Konflikt mit der Kirchenleitung geriet und schließlich freiwillig auf das Pfarramt verzichtete.


In Reutlingen bewohnte er anfangs eine 5-Zimmer-Wohnung mit zehn Waisenkindern und zwei Mitarbeiterinnen. 1842 konnte er mit Hilfe von Spenden und Darlehen ein größeres Wohnhaus erwerben, in dem mittlerweile 30 Kinder und fünf Mitarbeiterinnen unterkamen. Bald darauf wurden die ersten anstaltseigenen Handwerksbetriebe gegründet. Die betreuten Kinder und Hilfebedürftige wuchsen auf 80 an.


Immer mehr Reutlinger Bürgertöchter engagieren sich in den Anstalten. Auch junge Handwerker und Winzer kamen dazu. Mitte des 19. Jahrhunderts trat Gustav Werner den sozialen Härten der Industrialisierung mit der ersten Papierfabrik in entgegen. 31 Zweiganstalten wurden in ganz Württemberg gegründet. Nach zwei Jahrzehnten hatte sein Wirken bereits das Leben von 1.746 gesellschaftlich benachteiligten Menschen und 227 Hausgenossinnen und Hausgenossen eindrucksvoll verändert.

 

Die Reutlinger Mutteranstalt firmiert heute unter dem Namen "Bruderhaus" als Sinnbild dafür, dass es hier tatsächlich gelungen ist, christliche Nächstenliebe mit wirtschaftlichem Denken und Handeln zu verbinden.

Insbesondere verschaffte er solchen Menschen Arbeitsplätze, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance bekommen hätten. Körperlich, geistig oder seelisch behinderte Menschen fanden in der Produktion in Reutlingen Arbeitsplätze - ein Modell, das als Vorläufer der heutigen Werkstätten für behinderte Menschen gilt.

 

Mehr unter www.teilhaben-teilsein.de