Reutlingen, zeig dich!


„Schön und gut, was Reutlingen hat – an Tradition und Geschichte und Bausubstanz. Aber Reutlingen muss sich damit auch zeigen.
... Reutlingen, zeig dich: mit dem, was du hast; mit dem, was du tust; und mit dem, wo du hin willst! Knüpf an die eigenwillige Tradition deiner selbstbewussten Vergangenheit an und setze mutig den Kurs in eine vielversprechende Zukunft mit NEUEN Impulsen!“


(These 25 
"Reutlingen, Quo Vadis?! 95 Thesen zur Stadtentwicklung Reutlingen 2020")


> Das Heinzelmann-Areal in der Planie war ein vitales Zentrum für die florierende Wirtschaft mitten in der Stadt.

 

Hinzu kommt die quartierstypische Verflechtung von Leben und Arbeiten, die historisch den Charakter der Oststadt prägte

 

> Im Zuge der Erfolge und Expansion des Unternehmens wurde laufend im vorherrschenden Architekturstil weitergebaut. Heute konzentriert das Areal aufgrund der im Ensemble erhaltenen Fabrikgebäude eine echte bauhistorische Besonderheit für Reutlingen – das gleichberechtigte Nebeneinander von Gründerzeit, Jugendstil sowie Moderne der 1950er und 1960er Jahre.

Die Planie...

... ist ein in sich vollendetes Ganzes und städtepla­nerischer Kernpunkt der Oststadterweiterung, die mit dem Übergang der freien Reichsstadt als Stadt zu Württemberg (1802/1803) möglich wurde.

Mit der aufkommenden Industrialisierung entstand in der heu­tigen Oststadt ein Quartier, in dem sowohl Fabriken und Fer­tigungsanlagen als auch Wohnhäuser gleichermaßen gebaut wurden. In den 1830er Jahren wurde der Gänseweiher aufge­füllt, trocken gelegt und eingeebnet – also „planiert“ – im Lau­fe der Zeit erstreckte sich die Planie bis zum Stadtgarten und war das Herz der expandierenden Stadt. Der Bebauungsplan sah dort ausschließlich repräsentative Bauwerke vor.

Mitgerissen von der Reutlinger Aufbruchstimmung baute der aus Alpirsbach nach Reutlingen überge­siedelte Heinrich Heinzelmann 1892 seine Villa an der Planie (24) und erstellte 1897 daneben seine erste eigene Fabrikanlage. 

Planie 20/22 - Florierendes Textilunternehmen H. Heinzelmann GmbH & Co

Durch kluges unterneh­merisches Handeln expandierte die Firma schnell.

Er sicherte sich z.B. die alleinigen Produktions­rechte an der später berühmten „Dr. Lahmann Baumwoll-Unterwäsche“. 1907/1908 wurden erste Erweiterungsbauten an der Planie 22 errichtet. Nach dem ersten Weltkrieg nahm das Unternehmen mit Erfolg gestrickte Badekleidung ins Programm und nach dem zweiten Weltkrieg etablierte sich die H. Heinzelmann GmbH & Co als Marktführer auf dem Gebiet der Trikotagen- und Strickwaren sowie der Bade-, Strand- und Freizeitmode. 

Erfolge führen zu Expansion -

an der Fabrikanlage wird immer wieder weitergebaut

Das Areal wurde im Zuge der Erfolge und Expansion laufend erweitert und den neuesten Bedürfnissen ange­paßt, zuletzt in den 1960er Jahren.

Charakteristisch ist dabei, dass jeweils der gerade vorherrschende Architekturstil auf der Planie 22 seinen Ausdruck fand und bis zur vergleichsweise späten Liquidierung im Jahr 1990 erhalten blieb.

Die Stile der Gründerzeit und des Jugendstils stehen ebenso gleichberechtigt nebeneinander, wie die der Moderne der 1950er und 1960er Jahre. In dieser Form ist dies eine echte bauhistorische Besonderheit. 

Hinzu kommt die quartierstypische Verflechtung von Leben und Arbeiten, die historisch den Charakter der Oststadt prägte, aber nur noch an wenigen Stellen heute noch erahnt oder gar erlebt werden kann. Vieles musste schon weichen. Wenn wir nicht aufpassen bleiben von unserer Geschichte am Ende einzig die Exponate im Industriemagazin.